Vince Ebert: Unberechenbar

Vince Ebert ist ein echtes Unikum unter den Komikern in unserem Lande. Seit Jahren schafft es der studierte Physiker und ehemalige Unternehmensberater die Menschen mit seiner Mischung aus intelligenter Comedy und Beobachtung von naturwissenschaftlichen Alltagsphänomenen zu begeistern. In der ARD gehört er bei den Machern der Sendung „Wissen vor Acht“ mit seiner Rubrik „Werkstatt“ zur Stammbelegschaft und beantwortet hier jede Woche auf humorvolle Weise die Fragen seiner Zuschauer. Auch auf der Bühne und bei den Lesungen seiner unterhaltsam geschriebenen Bücher gibt er stets eine gute Figur ab. In seinem neusten Werk Unberechenbar befasst er sich mit jenen Dingen des Lebens, die trotz aller heute zu Verfügung stehenden Technologie und Wissenschaft nach wie vor für uns nicht planbar sind und es wohl auch nie sein werden. Dazu gehört beispielsweise, dass man nie weiß, ob der ICE nach Karlsruhe am nächsten Montag um 8.23 Uhr pünklich abfahren wird oder man im nächsten Urlaub an der Strandbar die Liebe seines Lebens trifft.

Warum aber gerade das auch zu den Umständen zählt, die das Leben spannend und lebenswert machen, wird klar bei seiner Schilderung der Beispiele, die ihm zu diesem Thema eingefallen sind. Ob man selber lieber das bei Rowohlt erschienene Buch aus seiner Feder liest, sich dies bei einer Lesung von ihm vortragen lässt oder zum im Hörverlag erschienen Hörbuch greift, bleibt den für Außenstehende häufig unberechenbaren Vorlieben eines jeden Einzelnen überlassen. In jedem Falle eine absolut lesens-, sehens- und hörenswerte Empfehlung meinerseits.

Doktor Stratmann: Pathologisch

„Im deutschen Fernsehen hat jede Krimiserie mittlerweile ihren eigenen Pathologen, der nicht selten mitermittelt.“ so die Festsellung von Doktor (Ludger) Stratmann in seinem definitiv letzten Bühnenprogramm Pathologisch, das nun als Hörbuch bei tacheles!/ Roof Music erschienen ist. Doktor Stratmann blickt in diesem, seinem letzten Programm, auf sein Leben zurück, und zwar, nachdem er auf offener Straße von einem Bierfass-Transporter erfasst wurde und gestorben ist. Auch, wenn er sein plötzliches Ableben noch gar nicht fassen kann, arrangiert er sich mit der Situation und zieht über seine Schul- und Ausbildungszeit Bilanz. Er erinnert sich daran, wie er und seine Frau Inge sich in seiner Stammdiscothek beim Bluestanzen zum ersten Mal begegnet und näher gekommen sind. Auch in Bezug auf Freunde und Weggefährten lässt er noch einmal seine Gedanken Revue passieren. Er denkt zum Beispiel an seinen Freund Heini Schmalzig, der sich gerade erst kürzlich das „Himmelreich auf Erden“ zugelegt hat. Letztlich wirft er noch einen Blick auf die Zukunft dieser Welt, die nun ohne ihn weiter existieren wird. Das alles natürlich mit dem ihm eigenen, unvergleichlichen Ruhrpott-Humor und der dazu passenden Sprache. Typisch Doktor Stratmann eben. Hier ein kleines Beispiel aus einem früheren Programm:


Ludger Stratmanns eigene Sendung im WDR Fernsehen
Auch, wenn ich mit meinen Eltern nicht unbedingt jede Vorliebe für gewisse Sendungen im Fernsehen teile, das „Stratmanns“, einmal im Monat Samstagabends im WDR, hatte es uns allen angetan. Ludger Stratmann fungierte seit 2001 nicht nur als Namensgeber für die aus Kabarett-Auftritten bekannter Künstler und Kneipen-Sitcom zusammengesetzte Sendung, sondern mimte darin auch 15 Jahre lang den Wirt Josef „Jupp“ Kwiatkowski, der allmonatlich durchs Programm führte. Am 7. Mai 2016 lief nun die letzte „Stratmanns“-Sendung im WDR Fernsehen und passend dazu hat sich nun auch Doktor Stratmann (Mediziner war er vor der Bühnentätigkeit übrigens wirklich) mit dem vorab angesprochenen Bühnenprogramm aus seinem aktiven Schauspielerdasein verabschiedet. Uns wird er fehlen, denn wir mochten seine wunderbare Art, Menschen für das Kabarett und auch für den Ruhrpott zu begeistern.

Horst Evers: Der kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex

In Berlin lebt der wohl charmanteste Geschichtenerzähler unter den Kabarettisten. Horst Evers war wieder unterwegs und hat sein Publikum mit seinen Alltagsbeobachtungen von der Fahrscheinkontrolle über den Wolf bis hin zum unvermeidbaren Berliner Flughafen grandios unterhalten. Für Fans des gebürtigen Niedersachsen und solche, die es noch werden wollen, ist bei WortArt sein aktuelles Programm mit dem vielsagenden Titel Der kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex erschienen. Den subtilen Humor des stets im roten Hemd auftretenden Evers kann man nur wage beschreiben. Man muss ihn erlebt haben. Hier ein kleiner Ausschnitt aus einem seiner früheren Programme, eine Geschichte mit dem Titel „Monika“:

Neben seiner Tätigkeit als Kabarettist ist Evers in den letzten drei Jahren auch als Autor in Erscheinung getreten, wobei der Humor auch in seinen beiden bisher erschienenen Büchern nicht zu kurz kommt. Nach dem herrlich absurden Kriminalroman Der König von Berlin ist das Buch Alles außer irdisch noch eine Spur skuriler und fantastischer (im wahrsten Sinne des Wortes) geworden. Es handelt von einer ganz außergewöhnlichen außerirdischen Spezies, die im Grunde genommen schon mitten unter uns lebt, von der wir bisher aber noch keine Notiz genommen haben. Beide Bücher sollte man auf jeden Fall in seinem Bücherregal haben, wenn man Spaß an absurden Geschichten hat.

Auf ein Neues

Steffi_2016Vier Jahre ist es her, da hatte ich diesen Blog und die darin versammelten Inhalte aufgegeben. Ich dachte damals, ich sei wohl doch schon zu alt für Comedy und alles, was damit zusammenhängt. Weit gefehlt, wie ich feststellen musste. Nur einen Unterschied gibt es. Um das Jahr 2000 rum bin ich regelmäßig live dabei gewesen, wenn Komiker und Kabarettisten in meiner Stadt auftraten. In Hannover war das auch nicht wirklich schwierig.

Inzwischen bin ich aufs Land gezogen und auch gesundheitlich nicht mehr so ganz auf der Höhe. Darum bin ich nun regelmäßiger Konsument von Comedy im NDR, im WDR, im ZDF und auf 3SAT. Satirische und komische Bücher füllen zudem den größten Teil meines Bücherregals. Auch Radiocomedy wird bei mir viel und mit reichlich Vergnügen gehört. Außerdem gucke ich gerne in die YouTube Kanäle im Internet und halte mich durch Mitteilungen für die Presse von verschiedenen Verlagen und Filmportalen auf dem Laufenden.

Weil es immer wieder schön ist für mich, auch anderen meine Comedytipps mitzuteilen und mit ihnen im Austausch darüber zu sein, habe den Blog neu eröffnet. Ich würde mich über den einen oder anderen Kommentar von Euch sehr freuen. 🙂 Liebe Grüße, Eure Steffi