Komische Krimihörspiele mit kuriosen Komikern: Kai-Magnus Sting – Tod unter Gurken

Alfons Friedrichsberg – Ein kluger Pfundskerl mit bissigem Humor! So kann man den schwergewichtigen, schlagfertigen Ruheständler und Hobbyermittler aus der Feder von Kai Magnus Sting wohl am besten charakterisieren. Als ein Sprecher für die Hörspielfassung der Kriminalgrotesken rund um den liebenswerten Privatier mit Tendenz zur Schnüfflernatur gesucht wurde ist man äußerlich wie innerlich treffender Weise auf Kabarettist Jochen Malmsheimer gekommen. Seine Schauspielerkollegen Bastian Pastewka und Annette Frier, beide erfahrene Hörspiel- und Hörbuchsprecher, komplettieren gemeinsam mit dem Autor der Geschichten das Ensemble für die Darbietung der herrlich absurden Handlungen.

Bis auf Malmsheimer sprechen die drei anderen auch alle weiteren in den unterschiedlichsten Situationen auftauchenden Charaktere. Pastewka brilliert dabei beispielsweise als sächselnder Lokführer, für den die Zugdurchsagen zur echten Herausforderung werden oder als durchgeknallter Buchhändler mit Tendenz zum Morden, statt zum Krimis verkaufen. Frier macht sich derweil als ahnungslose Metzgersgattin genauso unabdingbar, wie als mordende Physiotherapeutin. Kai-Magnus Sting führt hauptsächlich als charmanter Erzähler durch seine Kriminalgrotesken, in denen Malmsheimer als Friedrichsberg nicht nur auf einen Toten im Gurkenbeet, sondern auch auf falsch zusammengesetzte zerstückelte Leichen auf einer Parkbank und eine Zugreisende mit Verfolgungswahn trifft. Kult-Regisseur Leonard Koppelmann sind mit der Inszenierung von Tod unter Gurken ein paar brillante Hörspiel Episoden gelungen, nach deren Ende man nichts anderes tun kann, als auf eine Fortsetzung zu hoffen. Herrlich komisch und für das Überbrücken eines verregneten Sommertages besonders gut geeignet.

Meine Empfehlung für Kabarett-Freunde: Die WortArt-Boxen

Als leidenschaftlicher Kabarett- und Hörbuch Fan kommt man in Deutschland meiner Meinung nach an einem kleinen Kölner Plattenlabel nicht vorbei, das seit 1994 existiert und die Crème de la Crème der Kabarett-Schaffenden  in seinem Hörbuch Katalog versammelt. Das Label heißt WortArt und bringt neben regelmäßigen Neuerscheinungen aktueller Bühnenprogramme im Hörbuch-Format auch Bücher, DVDs und Hörspiele der komischen Art auf den Markt. Mir ganz besonders ans Herz gewachsen sind die so genannten „WortArt-Boxen“, in denen die bisherigen Programme eines Künstlers – quasi als Rückschau auf seine Entwicklung bis zum derzeitigen Moment – zusammengefasst werden. Kabarettisten, wie Dieter Nuhr, Urban Priol, Horst Evers, Serdar Somuncu, Wilfried Schmickler und Max Uthoff wurde bereits die Ehre zuteil, eine oder sogar zwei solche(r) Box(en) mit ihrem Schaffen bestücken zu können. Für Liebhaber des gesprochenen sarkastischen oder satirischen Wortes ein echtes Muss!

Carolin Kebekus: Alpha Pussy Live

Carolin Kebekus ist zwar knapp fünf Jahre jünger, als ich, aber trotzdem mit der gleichen rebellischen und ganz klar feministisch geprägten Einstellung aufgewachsen. Ob sie wie ich auch im Alter von sechszehn, siebzehn Jahren als Punk durchs Leben gegangen ist, weiß ich zwar nicht, aber auch das täte mich bei ihrer musikalischen Vorliebe für „Rage against the Machine“ nicht wundern. Wie vorab schon in „Pussy Terror“ gibt sie auch in ihrem zweiten abend- und Auftrittsorte füllenden Programm wieder ganz unverkennbar die Alpha Pussy. Also eine junge, selbstbewusste Frau, die nicht nur der Männerwelt unmissverständlich zeigt, wo der Hammer hängt. Die mit kritischen Augen auch auf die Jugendlichen und jungen Erwachsenen von heute schaut.

Ein absolutes „No Go“ ist dabei für sie beispielsweise die Tatsache, dass junge Frauen heute zusammen mit ihrer Mutter in die Disko oder auf eine Party gehen. Das war in der Tat vor 20 Jahren auch für mich ein echtes „No Go“. Aber da scheinen sich die Zeiten echt geändert zu haben. Auch, dass Mädels heute in YouTube-Videos ihre Schminktipps, ihre kürzlich getätigten Einkäufe oder ihre „Evening Routine“ zum Besten geben und mit den Klicks ein Vermögen verdienen ist für sie irgendwie befremdlich. Klar politisch wird sie sogar, als sie darauf zu sprechen kommt, dass die so genannte „Gender Pay Gap“ (also die Tatsache, dass Frauen in den gleichen Positionen weniger verdienen, als Männer) nach wie vor in der Realität und in den Köpfen der Menschen existiert.

Mir hat das neue Programm wie schon das Erste wieder sehr gut gefallen. Carolin Kebekus ist für mich ein bisschen wie die deutsche Lady Gaga der Comedy. Frech, frivol, selbstbewusst und gerne mal politisch inkorrekt, wie beispielsweise auch gegenüber der katholischen Kirche. Mit ihr wäre ich gerne befreundet, denn ich mag Frauen, die offen und ehrlich das aussprechen, was sie denken und sich von der (Männer-)Welt nicht den Mund verbieten lassen. Das Programm ist als Hörbuch bei Wortart erschienen und mit einem tollen Poster für alle Fans bestückt.

Hörprobe

Vince Ebert: Unberechenbar

Vince Ebert ist ein echtes Unikum unter den Komikern in unserem Lande. Seit Jahren schafft es der studierte Physiker und ehemalige Unternehmensberater die Menschen mit seiner Mischung aus intelligenter Comedy und Beobachtung von naturwissenschaftlichen Alltagsphänomenen zu begeistern. In der ARD gehört er bei den Machern der Sendung „Wissen vor Acht“ mit seiner Rubrik „Werkstatt“ zur Stammbelegschaft und beantwortet hier jede Woche auf humorvolle Weise die Fragen seiner Zuschauer. Auch auf der Bühne und bei den Lesungen seiner unterhaltsam geschriebenen Bücher gibt er stets eine gute Figur ab. In seinem neusten Werk Unberechenbar befasst er sich mit jenen Dingen des Lebens, die trotz aller heute zu Verfügung stehenden Technologie und Wissenschaft nach wie vor für uns nicht planbar sind und es wohl auch nie sein werden. Dazu gehört beispielsweise, dass man nie weiß, ob der ICE nach Karlsruhe am nächsten Montag um 8.23 Uhr pünklich abfahren wird oder man im nächsten Urlaub an der Strandbar die Liebe seines Lebens trifft.

Warum aber gerade das auch zu den Umständen zählt, die das Leben spannend und lebenswert machen, wird klar bei seiner Schilderung der Beispiele, die ihm zu diesem Thema eingefallen sind. Ob man selber lieber das bei Rowohlt erschienene Buch aus seiner Feder liest, sich dies bei einer Lesung von ihm vortragen lässt oder zum im Hörverlag erschienen Hörbuch greift, bleibt den für Außenstehende häufig unberechenbaren Vorlieben eines jeden Einzelnen überlassen. In jedem Falle eine absolut lesens-, sehens- und hörenswerte Empfehlung meinerseits.

Mikael Bergstrand: Der 50-jährige, der den Hintern nicht hochbekam, bis ihm ein Tiger auf die Sprünge half

Göran Borg ist zurück und nimmt den Leser bzw. Hörer erneut mit auf eine abenteuerliche Reise…

Nachdem der Werbetexter und Indienreisende in seiner Heimatstadt Malmö in Schweden eine neue Anstellung gefunden hat, scheint es so, als könne sich der geschiedene Vater einer Tochter mit seinem neuen Dasein in der Heimat anfreunden. Doch schon bald beginnt er wieder zu grübeln und bekommt Sehnsucht nach dem Land, in dem er nicht zuletzt aufgrund seines Freundes Yogi sehr glücklich war. Von diesem hatte er gerade erst eine Einladung zu dessen Hochzeit in Delhi bekommen.

Seine Tochter Linda gibt ihm den Rat, eine Psychotherapie zu machen. Just, als damit begonnen hat, lernt er bei einem Junggesellenabend in seiner Stammkneipe den etwa gleichalterigen Sven Grip kennen, der genau wie er ein riesiger Fußballfan und dem einen oder anderen Schlückchen Alkohol nicht abgeneigt ist. Borg ist begeistert über die vielen Gemeinsamkeiten, die er mit dem einfühlsamen und fürsorglichen Zahnarzt hat, bis dieser ihn zur Verkostung seiner neusten Whisky-Errungenschaft in seine Wohnung einlädt. Dort wird ihm nach Begutachtung einiger DVDs und Zeitschriften des neuen Freundes klar, dass dieser mehr von ihm möchte, als bloße Freundschaft. Der schockierte 50-jährige macht sich schnellstens aus dem Staub und hat nun einen wirklich guten Grund dafür gefunden, wieder nach Indien zurück zu kehren.

Dort angekommen trifft er auf einen deprimierten Yogi, der so lange nicht heiraten darf, bis er seiner Frau Lakshmi eine gute Zukunft bieten kann. Wie Göran ihm dabei erneut aus der Misere hilft, welche Rolle eine Teeplantage dabei spielt und wie ein Tiger schließlich allen Mitwirkenden den richtigen Weg suggeriert, ist nachzulesen oder zu hören in Der 50-Jährige, der den Hintern nicht hochbekam,bis ihm ein Tiger auf die Sprünge half aus dem btb-Verlag beziehungsweise Audio Media Verlag. Auch die Antwort auf die Frage, ob der Titelheld letztlich in Indien bleibt oder ob es ihn doch wieder nach Schweden zurückzieht, wird dem Leser auf amüsante Weise beantwortet. Eine wirklich gelungene Fortsetzung des ersten Romans rund um Göran Borg.

Leseprobe

Serdar Somuncu: Der Adolf in mir

Es gibt viele Satiriker, Schauspieler und Musiker in diesem Land. Aber nur wenige, die alles zusammen sind. Noch weniger von ihnen haben einen Migrationshintergrund und die Eigenschaft, bei all ihren Zuschauern einen wahrlich bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Serdar Somuncu schafft das alles problemlos. Bundesweit bekannt geworden ist er mit einer hierzulande mehr als gewagten Form der Satire. Einer Lesung aus Adolf Hitlers „Mein Kampf“. Mit dieser Lesung war er mehrere Jahre auf Tournee quer durch Deutschland und hat sowohl Lob als auch Hass auf seine Person damit eingefahren.

Im Buch und natürlich auch in dem von ihm gelesenen und ebenfalls bei WortArt erschienenen Hörbuch Der Adolf in mir schaut er zurück auf seinen Werdegang und die besagte Tournee mit dem in Deutschland übrigens seit Beginn dieses Jahres wieder frei erhältlichen Werk Adolf Hitlers, das von Historikern nicht ohne Grund mit geschichtlich relevanten Kommentaren versehen wurde. Mit seiner Lesung wagte sich Somuncu an einen Text, mit dem er bewusst provozieren wollte. Eine Eigenart, die er auch bei seinen Fernsehauftritten bei „Extra 3“ oder der „heute show“ immer wieder gerne einsetzt, um die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu ziehen. Dass aber auch ein kluger, redegewandter Kopf hinter aller Provokation steckt, sieht man immer wieder, wenn man ihn in Sendungen, wie „Hart, aber fair“ auftreten sieht. Auch in seiner seit Januar 2016 bei ntv ausgestrahlten eigenen Talkshow „So! Muncu“ (einmal monatlich freitags um 22.15 Uhr) nähert er sich gerne mit seinen Gästen in einer pointierten Debatte auf die etwas andere Art aktuellen Themen (mit oder ohne Migrationshintergrund).

An seinem Buch gefällt mir nicht nur die gewohnt unkonventionelle Weise, mit der er auf die Erlebnisse und Geschehnisse seiner Tour zurückblickt, sondern auch die Möglichkeit, einmal den Menschen Serdar Somuncu etwas besser kennen zu lernen. Dass ihm im Übrigen nicht nur das gesprochene und geschriebene, sondern auch das gesungene Wort sehr gut liegt, konnte ich kürzlich in der Sendung „Bauerfeind assestiert…“ auf 3Sat erfahren. Fans des gnadenlosen Satirikers Somuncu alias Hassias kommen bei einem Besuch seines neuen Bühnenprogramms „H2 Universe – Die Machtergreifung“ wieder voll auf ihre Kosten.

Dr. Eckart von Hirschhausen: Wunderheiler

„Mein Name ist Hirschhausen. Ich bin Arzt. Ich möchte Sie gut behandeln…“ Und das tut er dann auch. Fast zwei Stunden lang sogar. Das Tolle daran: Es wirkt! Sogar erstaunlich gut. Das kann ich wirklich beurteilen. Denn da bin ich sozusagen Expertin. Oft und regelmäßig in meinem Leben bin ich Gast in den unterschiedlichsten Arztpraxen und Krankenhäusern gewesen; und werde es wohl auch weiterhin sein. Dabei würde ich mir gerne öfter mal einen Mediziner wie Dr. Eckart von Hirschhausen gefallen lassen. Denn meistens ist meine Laune nicht besonders gut, wenn ich einen Arzttermin habe. Hier sähe das anders aus. Denn bei diesem (be)zaubernden Komiker und Moderator gilt vor allem die Weisheit: Lachen ist die beste Medizin. Live gesehen habe ich ihn leider noch, obwohl ich in meiner ehemaligen hannoverschen Behausung lange Zeit ein Saisonplakat vom tak – meinem Lieblingstheater in Hannover-Linden – aufgehängt hatte, auf dem auch er vertreten war. Nun ja, was nicht ist, kann ja noch werden.

In seinem Programm Wunderheiler– das tituliert ist als sei bislang persönlichstes Programm – nimmt er seine Zuschauer und Zuhörer mit in seine Kindheit, seine Schulzeit, sein Studium und in seine Zeit als Arzt im Krankenhaus auf einer neurologischen Station für Kinder. Schon früh sei ihm aufgefallen, dass Menschen vor allem Zuwendung brauchen, um wieder gesund zu werden. Seine eigene Mutter hätte ihm beispielsweise immer das Lied „Heile, heile, Gänschen!“ vorgesungen, wenn er beim Spielen hingefallen sei. Welche Wirkung dies beispielsweise auch heute noch auf den Zuhörer haben kann, demonstriert er, indem er sich ans Klavier setzt und das Lied vorspielt. Weitere Lieder aus der Kindheit, die eine heilsame Wirkung haben können und spannendes medizinisches Fachwissen, publikumswirksam verpackt, kommen im Laufe des Programms zur Sprache. Auch mit einem Zaubertrick überrascht er sein Publikum und ganz besonders eine junge Dame, die prompt darin einbezogen wird.

Am Ende seines Programms, das mir als Hörbuch aus dem Hörverlag vorliegt, ist man versucht, es sich gleich noch einmal anzuhören. Besuchern des Auftritts mag es genauso ergangen sein. Man möchte noch mehr Geschichten aus von Hirschhausens Munde hören. Darum bin persönlich wirklich froh darüber, dass er von der Kinderstation auf die Bühne und letztlich auch ins Fernsehen gewechselt hat. Damit hat er kleinen und großen Zuschauern- und -hörern einen großen Gefallen getan.

Doktor Stratmann: Pathologisch

„Im deutschen Fernsehen hat jede Krimiserie mittlerweile ihren eigenen Pathologen, der nicht selten mitermittelt.“ so die Festsellung von Doktor (Ludger) Stratmann in seinem definitiv letzten Bühnenprogramm Pathologisch, das nun als Hörbuch bei tacheles!/ Roof Music erschienen ist. Doktor Stratmann blickt in diesem, seinem letzten Programm, auf sein Leben zurück, und zwar, nachdem er auf offener Straße von einem Bierfass-Transporter erfasst wurde und gestorben ist. Auch, wenn er sein plötzliches Ableben noch gar nicht fassen kann, arrangiert er sich mit der Situation und zieht über seine Schul- und Ausbildungszeit Bilanz. Er erinnert sich daran, wie er und seine Frau Inge sich in seiner Stammdiscothek beim Bluestanzen zum ersten Mal begegnet und näher gekommen sind. Auch in Bezug auf Freunde und Weggefährten lässt er noch einmal seine Gedanken Revue passieren. Er denkt zum Beispiel an seinen Freund Heini Schmalzig, der sich gerade erst kürzlich das „Himmelreich auf Erden“ zugelegt hat. Letztlich wirft er noch einen Blick auf die Zukunft dieser Welt, die nun ohne ihn weiter existieren wird. Das alles natürlich mit dem ihm eigenen, unvergleichlichen Ruhrpott-Humor und der dazu passenden Sprache. Typisch Doktor Stratmann eben. Hier ein kleines Beispiel aus einem früheren Programm:


Ludger Stratmanns eigene Sendung im WDR Fernsehen
Auch, wenn ich mit meinen Eltern nicht unbedingt jede Vorliebe für gewisse Sendungen im Fernsehen teile, das „Stratmanns“, einmal im Monat Samstagabends im WDR, hatte es uns allen angetan. Ludger Stratmann fungierte seit 2001 nicht nur als Namensgeber für die aus Kabarett-Auftritten bekannter Künstler und Kneipen-Sitcom zusammengesetzte Sendung, sondern mimte darin auch 15 Jahre lang den Wirt Josef „Jupp“ Kwiatkowski, der allmonatlich durchs Programm führte. Am 7. Mai 2016 lief nun die letzte „Stratmanns“-Sendung im WDR Fernsehen und passend dazu hat sich nun auch Doktor Stratmann (Mediziner war er vor der Bühnentätigkeit übrigens wirklich) mit dem vorab angesprochenen Bühnenprogramm aus seinem aktiven Schauspielerdasein verabschiedet. Uns wird er fehlen, denn wir mochten seine wunderbare Art, Menschen für das Kabarett und auch für den Ruhrpott zu begeistern.

Horst Evers: Der kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex

In Berlin lebt der wohl charmanteste Geschichtenerzähler unter den Kabarettisten. Horst Evers war wieder unterwegs und hat sein Publikum mit seinen Alltagsbeobachtungen von der Fahrscheinkontrolle über den Wolf bis hin zum unvermeidbaren Berliner Flughafen grandios unterhalten. Für Fans des gebürtigen Niedersachsen und solche, die es noch werden wollen, ist bei WortArt sein aktuelles Programm mit dem vielsagenden Titel Der kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex erschienen. Den subtilen Humor des stets im roten Hemd auftretenden Evers kann man nur wage beschreiben. Man muss ihn erlebt haben. Hier ein kleiner Ausschnitt aus einem seiner früheren Programme, eine Geschichte mit dem Titel „Monika“:

Neben seiner Tätigkeit als Kabarettist ist Evers in den letzten drei Jahren auch als Autor in Erscheinung getreten, wobei der Humor auch in seinen beiden bisher erschienenen Büchern nicht zu kurz kommt. Nach dem herrlich absurden Kriminalroman Der König von Berlin ist das Buch Alles außer irdisch noch eine Spur skuriler und fantastischer (im wahrsten Sinne des Wortes) geworden. Es handelt von einer ganz außergewöhnlichen außerirdischen Spezies, die im Grunde genommen schon mitten unter uns lebt, von der wir bisher aber noch keine Notiz genommen haben. Beide Bücher sollte man auf jeden Fall in seinem Bücherregal haben, wenn man Spaß an absurden Geschichten hat.

Torsten Sträter: Selbstbeherrschung umständehalber abzugeben und Als ich in meinem Alter war

Es dürfte jetzt knapp drei Jahre her sein, als mir in der Sendung „Stratmanns“ am Samstagabend im WDR Fernsehen ein Comedian auffiel, der nicht nur aus dem Ruhrpott stammte, sondern auch den für diese Region so typischen herrlich trockenen und direkten Humor in den Geschichten, die er vorlas, zum Besten gab: Torsten Sträter.

Nun muss ich von mir selbst sagen, dass ich bereits als Jugendliche von einem Mann geprägt wurde, der einen ähnlich direkten Witz vorzuweisen hatte: Mein Kunstlehrer und späterer Tutor, der von allen nur Ferdi genannt wurde und aus Essen stammte. In der Region Hannover war er damals mit seinem Humor auch etwas Unverwechselbares. Genauso verhält es sich jetzt für mich mit diesem Geschichtenerzähler, der durch seine schwarze Strickmütze, sein dunkles schon langsam ins Grau tendierende Ziegenbärtchen und seine wachen blauen Augen ebenso wie durch seine unverwechselbare Stimme auffällt, der ich immer wieder gerne zuhöre. Sein aktuelles Hörbuch „Selbstbeherrschung umständehalber abzugeben“ läuft bei mir darum fast jeden Tag.

Ich scheine da übrigens nicht die Einzige zu sein, denn wenn man auf Google nach jemandem sucht, der Torsten mit Vornamen heißt, findet man den Namen Torsten Sträter mittlerweile ganz oben in der Trefferliste. Bekannt geworden ist er durch eine in den letzten Jahren hierzulande populär gewordene moderne Form des Dichterwettstreits: Den Poetry Slam. Davor war der gebürtige Dortmunder als Herrenschneider tätig und hat nebenher Horrorgeschichten geschrieben. Gottseidank hat er ins komische Fach gewechselt, denn sonst wüsste ich bis heute wohl nichts von seiner Existenz. In Sendungen wie „Extra 3“ im NDR, „Nuhr im Ersten“ in der ARD und „PufPaffs Happy Hour“ auf 3Sat ist er ein ebenso gern gesehener Gast, wie in der „Heute Show“ und der „Anstalt“ im ZDF.

Seine Geschichten drehen sich um seinen Alltag und um allerlei merkwürdige und komische Erlebnisse, die er mit seinen Mitmenschen hat. Um das Eigenleben technischer Hilfsmittel, wie dem Apple IPhone Hilfsprogramm Siri dreht sich eine seiner populärsten Geschichten.

Auf YouTube hat er seine Popularität nicht nur damit auch beim jüngeren Publikum rasant gesteigert. Sein allerneuster Streich, das Buch „Als ich in meinem Alter war“ ist wieder äußerst gelungen und sei Comedyfans jeden Alters zur Anschaffung empfohlen. Von seinem Geständnis über seine zweite Identität als „Batman“ bis hin zu seinen Schilderungen über den „Oppa“ hat er wieder viele Geschichten mit rabenschwarzem, philosophischen und hintersinnigen Humor aufgeschrieben.

Wer Herrn Sträter mal live erleben möchte, der muss als Hannoveraner leider noch ein ganzes Jahr warten, denn seine diesjährige Vorstellung im Theater am Aegi ist schon total ausverkauft. Aber im Herbst 2017 ist bereits ein Termin angesetzt, für den es schon Karten gibt. Die kann man HIER käuflich erwerben. Ansonsten muss man auf den WDR und das Ruhrgebiet zurückgreifen. Ab Anfang Mai 2016 wird für den Sender in Oberhausen die 45-minütige Sendung „Torsten Sträters Männerhaushalt“ aufgezeichnet. Dafür werden dann ebenfalls die Eintrittskarten käuflich erwerbbar sein.