Die Wiederauflage von „Genial Daneben“ ging aus meiner Sicht daneben

Ich bin Newsletterabonnent des Mediendienstes DWDL. Dieser meldete vor Kurzem voller Euphorie die Wiederauflage meiner früheren Lieblingssendung „Genial Daneben“ auf SAT1. Klar, dass ich mir einen dicken Knoten in mein Taschentuch gemacht habe. Gestern Abend war es dann nach immerhin sechs Jahren Wartezeit endlich soweit. Doch leider muss ich gestehen, dass ich die heutige Lobhudelei von DWDL auf die Sendung nicht wirklich teilen kann. Vielleicht liegt es daran, dass ich mittlerweile die 40 überschritten habe und sonst vorwiegend öffentlich-rechtlich Unterhaltung suche und bekomme (z.B. mit den Kabarettaufzeichnungen auf 3SAT und der heute-show im ZDF). Auf jeden Fall war mein relativ nüchternes Fazit nach der gestrigen Sendung „Sechs Millionäre saßen sich an zwei Tischen gegenüber und unterhielten sich über Nichtigkeiten“. Mag sein, dass dies auch früher schon der Fall war, aber es fiel Zuschauern wie mir damals nicht so offensichtlich auf. Will heißen: Der Spaß und Elan früherer Sendungen ließ gestern auf sich warten. Vielleicht, weil auch die Mitstreiter, außer Neuling Luke Mockridge, inzwischen sechs Jahre und einige Fernsehformate oder Theaterauftritte älter geworden sind. Mittlerweile kann ich zumindest auch verstehen, warum Bernhard Hoecker sich das nicht mehr antun wollte. Er hat sich richtig entschieden. Ich werde das zukünftig auch wieder tun und nicht mehr auf den wöchentlichen Freitagskrimi im Zweiten verzichten.

Torsten Sträter: Selbstbeherrschung umständehalber abzugeben und Als ich in meinem Alter war

Es dürfte jetzt knapp drei Jahre her sein, als mir in der Sendung „Stratmanns“ am Samstagabend im WDR Fernsehen ein Comedian auffiel, der nicht nur aus dem Ruhrpott stammte, sondern auch den für diese Region so typischen herrlich trockenen und direkten Humor in den Geschichten, die er vorlas, zum Besten gab: Torsten Sträter.

Nun muss ich von mir selbst sagen, dass ich bereits als Jugendliche von einem Mann geprägt wurde, der einen ähnlich direkten Witz vorzuweisen hatte: Mein Kunstlehrer und späterer Tutor, der von allen nur Ferdi genannt wurde und aus Essen stammte. In der Region Hannover war er damals mit seinem Humor auch etwas Unverwechselbares. Genauso verhält es sich jetzt für mich mit diesem Geschichtenerzähler, der durch seine schwarze Strickmütze, sein dunkles schon langsam ins Grau tendierende Ziegenbärtchen und seine wachen blauen Augen ebenso wie durch seine unverwechselbare Stimme auffällt, der ich immer wieder gerne zuhöre. Sein aktuelles Hörbuch „Selbstbeherrschung umständehalber abzugeben“ läuft bei mir darum fast jeden Tag.

Ich scheine da übrigens nicht die Einzige zu sein, denn wenn man auf Google nach jemandem sucht, der Torsten mit Vornamen heißt, findet man den Namen Torsten Sträter mittlerweile ganz oben in der Trefferliste. Bekannt geworden ist er durch eine in den letzten Jahren hierzulande populär gewordene moderne Form des Dichterwettstreits: Den Poetry Slam. Davor war der gebürtige Dortmunder als Herrenschneider tätig und hat nebenher Horrorgeschichten geschrieben. Gottseidank hat er ins komische Fach gewechselt, denn sonst wüsste ich bis heute wohl nichts von seiner Existenz. In Sendungen wie „Extra 3“ im NDR, „Nuhr im Ersten“ in der ARD und „PufPaffs Happy Hour“ auf 3Sat ist er ein ebenso gern gesehener Gast, wie in der „Heute Show“ und der „Anstalt“ im ZDF.

Seine Geschichten drehen sich um seinen Alltag und um allerlei merkwürdige und komische Erlebnisse, die er mit seinen Mitmenschen hat. Um das Eigenleben technischer Hilfsmittel, wie dem Apple IPhone Hilfsprogramm Siri dreht sich eine seiner populärsten Geschichten.

Auf YouTube hat er seine Popularität nicht nur damit auch beim jüngeren Publikum rasant gesteigert. Sein allerneuster Streich, das Buch „Als ich in meinem Alter war“ ist wieder äußerst gelungen und sei Comedyfans jeden Alters zur Anschaffung empfohlen. Von seinem Geständnis über seine zweite Identität als „Batman“ bis hin zu seinen Schilderungen über den „Oppa“ hat er wieder viele Geschichten mit rabenschwarzem, philosophischen und hintersinnigen Humor aufgeschrieben.

Wer Herrn Sträter mal live erleben möchte, der muss als Hannoveraner leider noch ein ganzes Jahr warten, denn seine diesjährige Vorstellung im Theater am Aegi ist schon total ausverkauft. Aber im Herbst 2017 ist bereits ein Termin angesetzt, für den es schon Karten gibt. Die kann man HIER käuflich erwerben. Ansonsten muss man auf den WDR und das Ruhrgebiet zurückgreifen. Ab Anfang Mai 2016 wird für den Sender in Oberhausen die 45-minütige Sendung „Torsten Sträters Männerhaushalt“ aufgezeichnet. Dafür werden dann ebenfalls die Eintrittskarten käuflich erwerbbar sein.