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Carolin Kebekus: Alpha Pussy Live

Carolin Kebekus ist zwar knapp fünf Jahre jünger, als ich, aber trotzdem mit der gleichen rebellischen und ganz klar feministisch geprägten Einstellung aufgewachsen. Ob sie wie ich auch im Alter von sechszehn, siebzehn Jahren als Punk durchs Leben gegangen ist, weiß ich zwar nicht, aber auch das täte mich bei ihrer musikalischen Vorliebe für „Rage against the Machine“ nicht wundern. Wie vorab schon in „Pussy Terror“ gibt sie auch in ihrem zweiten abend- und Auftrittsorte füllenden Programm wieder ganz unverkennbar die Alpha Pussy. Also eine junge, selbstbewusste Frau, die nicht nur der Männerwelt unmissverständlich zeigt, wo der Hammer hängt. Die mit kritischen Augen auch auf die Jugendlichen und jungen Erwachsenen von heute schaut.

Ein absolutes „No Go“ ist dabei für sie beispielsweise die Tatsache, dass junge Frauen heute zusammen mit ihrer Mutter in die Disko oder auf eine Party gehen. Das war in der Tat vor 20 Jahren auch für mich ein echtes „No Go“. Aber da scheinen sich die Zeiten echt geändert zu haben. Auch, dass Mädels heute in YouTube-Videos ihre Schminktipps, ihre kürzlich getätigten Einkäufe oder ihre „Evening Routine“ zum Besten geben und mit den Klicks ein Vermögen verdienen ist für sie irgendwie befremdlich. Klar politisch wird sie sogar, als sie darauf zu sprechen kommt, dass die so genannte „Gender Pay Gap“ (also die Tatsache, dass Frauen in den gleichen Positionen weniger verdienen, als Männer) nach wie vor in der Realität und in den Köpfen der Menschen existiert.

Mir hat das neue Programm wie schon das Erste wieder sehr gut gefallen. Carolin Kebekus ist für mich ein bisschen wie die deutsche Lady Gaga der Comedy. Frech, frivol, selbstbewusst und gerne mal politisch inkorrekt, wie beispielsweise auch gegenüber der katholischen Kirche. Mit ihr wäre ich gerne befreundet, denn ich mag Frauen, die offen und ehrlich das aussprechen, was sie denken und sich von der (Männer-)Welt nicht den Mund verbieten lassen. Das Programm ist als Hörbuch bei Wortart erschienen und mit einem tollen Poster für alle Fans bestückt.

Hörprobe

Vince Ebert: Unberechenbar

Vince Ebert ist ein echtes Unikum unter den Komikern in unserem Lande. Seit Jahren schafft es der studierte Physiker und ehemalige Unternehmensberater die Menschen mit seiner Mischung aus intelligenter Comedy und Beobachtung von naturwissenschaftlichen Alltagsphänomenen zu begeistern. In der ARD gehört er bei den Machern der Sendung „Wissen vor Acht“ mit seiner Rubrik „Werkstatt“ zur Stammbelegschaft und beantwortet hier jede Woche auf humorvolle Weise die Fragen seiner Zuschauer. Auch auf der Bühne und bei den Lesungen seiner unterhaltsam geschriebenen Bücher gibt er stets eine gute Figur ab. In seinem neusten Werk Unberechenbar befasst er sich mit jenen Dingen des Lebens, die trotz aller heute zu Verfügung stehenden Technologie und Wissenschaft nach wie vor für uns nicht planbar sind und es wohl auch nie sein werden. Dazu gehört beispielsweise, dass man nie weiß, ob der ICE nach Karlsruhe am nächsten Montag um 8.23 Uhr pünklich abfahren wird oder man im nächsten Urlaub an der Strandbar die Liebe seines Lebens trifft.

Warum aber gerade das auch zu den Umständen zählt, die das Leben spannend und lebenswert machen, wird klar bei seiner Schilderung der Beispiele, die ihm zu diesem Thema eingefallen sind. Ob man selber lieber das bei Rowohlt erschienene Buch aus seiner Feder liest, sich dies bei einer Lesung von ihm vortragen lässt oder zum im Hörverlag erschienen Hörbuch greift, bleibt den für Außenstehende häufig unberechenbaren Vorlieben eines jeden Einzelnen überlassen. In jedem Falle eine absolut lesens-, sehens- und hörenswerte Empfehlung meinerseits.

Eierlikörtage – Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 1/4 Jahre

Meine Buchentdeckung des Jahres! Hendrik Groen ist 83 1/4 Jahre alt und lebt in einem Altersheim im Norden von Amsterdam. Sein ganzes Leben hat er zu den liebenswürdigen Ja-Sagern gehört, die immer freundlich und korrekt gegenüber ihren Mitmenschen waren. Nun hat er beschlossen, solange er dazu noch in der Lage ist, ein Jahr lag Tagebuch zu führen und die Komischen, aber auch traurigen Ereignisse in seiner Umgebung detailliert aus seiner Sicht aufzuschreiben.

Dabei legt der Mann  einen  erfrischenden, ungeschönten, manchmal geradezu bissigen bittersüßen Sarkasmus an den Tag, den kein Kabarettist der Welt besser hätte darbieten können. Der Zehen schwärzende Diabetes und der Hang zum Alkohol des besten Freundes wird dabei ebenso bedacht, wie die Mitbewohnerin, die sich mal eben in drei Kuchenstücke setzt, ohne dies zu merken. Die Demenz der ältesten Mitbewohnerin, die damit unfreiwillig für Heiterkeit sorgt und die Tatsache, das Angehörige der alten Leute bei einer Erhöhung der Parkgebühren um einen Euro einen weiteren Grund dafür hätten, dem Altersheim bei den Besuchszeiten fern zu bleiben. All das hält Groen in schonungslos ehrlicher Weise in seinem Tagebuch fest.

Wäre das, was er mit viel Humor und Feinsinnigkeit in seinen Zeilen schildert nicht gleichzeitig so abgrundtief traurig und ein Zeichen dafür, wie wenig Beachtung in der heutigen Gesellschaft alte und kranke Menschen noch finden, man wäre nicht so sehr angetan von dem, was er dem Leser versucht, durch seine Alltagsschilderungen klar zu machen. Eine ähnliche Schilderung hätte ich 2015 ebenfalls schreiben können, nachdem ich 3 Monate Krankenhaus und Rehaklinik hinter mich gebracht hatte und dabei am eigenen Leib erfahren musste, wie es ist, zum unwichtigen, nichtssagenden Individuum von Ärzten, Krankenschwestern und Therapeuten gemacht zu werden. Viele meiner Mitpatienten waren ebenfalls alt und gebrechlich, was auch hier so manches Mal zu unfreiwillig komischen Ereignissen führte.

Alte Leute in den Niederlanden und ebenso in Deutschland müssten sich viel mehr so wie der (vielleicht fiktive) Hendrik Groen in diesem System zu Wort melden dürfen, um klar zu machen, dass auch ihr Leben noch ein Lebenswertes ist, selbst wenn die perfekte Alltagswelt ihrer Angehörigen und Mitmenschen diese Sichtweise gar nicht mehr zulässt. Ich freue mich schon auf eine hoffentlich folgende Fortsetzung der lebensbejahenden, wunderbar direkt geschriebenen Eierlikörtage: Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 1/4 Jahre aus dem Piper Verlag, die wirklich in keinem Bücherschrank und auf keinem Ebook-Reader fehlen sollten.

Leseprobe

Mikael Bergstrand: Der 50-jährige, der den Hintern nicht hochbekam, bis ihm ein Tiger auf die Sprünge half

Göran Borg ist zurück und nimmt den Leser bzw. Hörer erneut mit auf eine abenteuerliche Reise…

Nachdem der Werbetexter und Indienreisende in seiner Heimatstadt Malmö in Schweden eine neue Anstellung gefunden hat, scheint es so, als könne sich der geschiedene Vater einer Tochter mit seinem neuen Dasein in der Heimat anfreunden. Doch schon bald beginnt er wieder zu grübeln und bekommt Sehnsucht nach dem Land, in dem er nicht zuletzt aufgrund seines Freundes Yogi sehr glücklich war. Von diesem hatte er gerade erst eine Einladung zu dessen Hochzeit in Delhi bekommen.

Seine Tochter Linda gibt ihm den Rat, eine Psychotherapie zu machen. Just, als damit begonnen hat, lernt er bei einem Junggesellenabend in seiner Stammkneipe den etwa gleichalterigen Sven Grip kennen, der genau wie er ein riesiger Fußballfan und dem einen oder anderen Schlückchen Alkohol nicht abgeneigt ist. Borg ist begeistert über die vielen Gemeinsamkeiten, die er mit dem einfühlsamen und fürsorglichen Zahnarzt hat, bis dieser ihn zur Verkostung seiner neusten Whisky-Errungenschaft in seine Wohnung einlädt. Dort wird ihm nach Begutachtung einiger DVDs und Zeitschriften des neuen Freundes klar, dass dieser mehr von ihm möchte, als bloße Freundschaft. Der schockierte 50-jährige macht sich schnellstens aus dem Staub und hat nun einen wirklich guten Grund dafür gefunden, wieder nach Indien zurück zu kehren.

Dort angekommen trifft er auf einen deprimierten Yogi, der so lange nicht heiraten darf, bis er seiner Frau Lakshmi eine gute Zukunft bieten kann. Wie Göran ihm dabei erneut aus der Misere hilft, welche Rolle eine Teeplantage dabei spielt und wie ein Tiger schließlich allen Mitwirkenden den richtigen Weg suggeriert, ist nachzulesen oder zu hören in Der 50-Jährige, der den Hintern nicht hochbekam,bis ihm ein Tiger auf die Sprünge half aus dem btb-Verlag beziehungsweise Audio Media Verlag. Auch die Antwort auf die Frage, ob der Titelheld letztlich in Indien bleibt oder ob es ihn doch wieder nach Schweden zurückzieht, wird dem Leser auf amüsante Weise beantwortet. Eine wirklich gelungene Fortsetzung des ersten Romans rund um Göran Borg.

Leseprobe

Serdar Somuncu: Der Adolf in mir

Es gibt viele Satiriker, Schauspieler und Musiker in diesem Land. Aber nur wenige, die alles zusammen sind. Noch weniger von ihnen haben einen Migrationshintergrund und die Eigenschaft, bei all ihren Zuschauern einen wahrlich bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Serdar Somuncu schafft das alles problemlos. Bundesweit bekannt geworden ist er mit einer hierzulande mehr als gewagten Form der Satire. Einer Lesung aus Adolf Hitlers „Mein Kampf“. Mit dieser Lesung war er mehrere Jahre auf Tournee quer durch Deutschland und hat sowohl Lob als auch Hass auf seine Person damit eingefahren.

Im Buch und natürlich auch in dem von ihm gelesenen und ebenfalls bei WortArt erschienenen Hörbuch Der Adolf in mir schaut er zurück auf seinen Werdegang und die besagte Tournee mit dem in Deutschland übrigens seit Beginn dieses Jahres wieder frei erhältlichen Werk Adolf Hitlers, das von Historikern nicht ohne Grund mit geschichtlich relevanten Kommentaren versehen wurde. Mit seiner Lesung wagte sich Somuncu an einen Text, mit dem er bewusst provozieren wollte. Eine Eigenart, die er auch bei seinen Fernsehauftritten bei „Extra 3“ oder der „heute show“ immer wieder gerne einsetzt, um die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu ziehen. Dass aber auch ein kluger, redegewandter Kopf hinter aller Provokation steckt, sieht man immer wieder, wenn man ihn in Sendungen, wie „Hart, aber fair“ auftreten sieht. Auch in seiner seit Januar 2016 bei ntv ausgestrahlten eigenen Talkshow „So! Muncu“ (einmal monatlich freitags um 22.15 Uhr) nähert er sich gerne mit seinen Gästen in einer pointierten Debatte auf die etwas andere Art aktuellen Themen (mit oder ohne Migrationshintergrund).

An seinem Buch gefällt mir nicht nur die gewohnt unkonventionelle Weise, mit der er auf die Erlebnisse und Geschehnisse seiner Tour zurückblickt, sondern auch die Möglichkeit, einmal den Menschen Serdar Somuncu etwas besser kennen zu lernen. Dass ihm im Übrigen nicht nur das gesprochene und geschriebene, sondern auch das gesungene Wort sehr gut liegt, konnte ich kürzlich in der Sendung „Bauerfeind assestiert…“ auf 3Sat erfahren. Fans des gnadenlosen Satirikers Somuncu alias Hassias kommen bei einem Besuch seines neuen Bühnenprogramms „H2 Universe – Die Machtergreifung“ wieder voll auf ihre Kosten.

Florian Schroeder: Entscheidet Euch!

„Nur, wer alle Optionen kennt kann die richtige Entscheidung treffen.“ Diesen Werbespruch einer Werbeagentur aus Florian Schroeders Nachbarschaft habe ich beherzigt mir sein 5. Bühnenprogramm Entscheidet euch! angehört sowie bei 3Sat angesehen und damit eindeutig die richtige Entscheidung getroffen. Schließlich gibt es eine Menge Imitatoren, Comedians und Kabarettisten in diesem Land, aber nur einen Florian Schroeder.

Den höre und sehe ich mir schon seit seinem ersten TV-Auftritt 1993 in Harald Schmidts „Schmidteinander“ immer wieder gerne an. Seitdem ist viel Zeit vergangen.Er geht mittlerweile stramm auf seinen 37., ich auf meinen 41. Geburtstag zu. Aber der Riecher für gute Satire, der ist sowohl mir, als auch ihm geblieben. So spricht er in seinem neuen Programm nicht nur den Möglichkeitenwahnsinn unserer Zeit an (Schampoo, Technik, Partnerwahl), sondern lässt so ganz nebenbei immer wieder Zeitkritik („Ich kaufe grundsätzlich offline, weil ich auch in 20 Jahren in Innenstädten noch Fußgängerzonen mit Geschäften haben möchte.) und kleine Seitenhiebe auf unsere Politiker mit einfließen. Sein großartiges Imitatorentalent ruft nicht nur in Bezug auf unsere Bundeskanzlerin immer wieder wahre Lachsalven beim Publikum hervor.

Ich kann nur jedem, der ein Theater oder eine Kabarettbühne bei sich vor Ort hat, raten, darauf zu achten, ob Florian Schroeder dort gastiert. Denn ein Besuch bei einem seiner Liveauftritte lohnt sich genauso, wie das vorliegende Programm in der Hörbuchversion.

Galileo präsentiert „Die spinnen, die Engländer“

„Das Handbuch zur kuriosesten aller Ausssteigernationen“  könnte man das von der Galileo-Redaktion zusammengestellte Taschenbuch über die Engländer auch nennen. Jenes Volk, das für seine geliebte Monarchin Elisabeth II, seinen Linksverkehr auf den Straßen, seinen Fünf-Uhr-Tee in der Tasse und dem regenreichsten Wetter des gesamten europäischen Kontinents berühmt ist… und vielleicht auch bald für  seinen unumkehrbaren Wunsch nach Eigenständigkeit, der es letzlich in ein paar Jahren wird verarmen lassen. Das wäre alles andere als lustig, sondern eine Tragödie! Darum, liebe Engländer (und auch alle Waliser,  Nordiren und Schotten) , bitte bleibt uns in der EU erhalten. Ich habe vor ein paar Jahren als Englisch-Deutsch Übersetzerin nicht ohne Grund diesen Werbeschriftzug inne gehabt: British_is_beautifulOkay, mein Übersetzerbüro ist mittlerweile geschlossen. Das heißt aber nicht, dass die Briten jetzt auch einfach so gehen sollen. Warum sie ganz klar zu Europa dazu gehören und trotzdem ihren ganz eigenen Kopf haben (und auch weiter haben sollen) ist in dem kleinen England-Handbuch Die spinnen, die Engländer wunderbar und auch mit viel Sinn für den weltbekannten britischen Humor erklärt. Jedem Fan dieser herrlich exzentrischen Fußballnation(en) sei dieses Werk über die Engländer darum nicht nur in Zeiten eines (bitte un-)möglichen Brexit wärmstens ans Herz gelegt.

PS: Nun ist er da, der Brexit. Leider 😐 Und schon regt sich Widerstand gegen die Entscheidung, vor allem bei den jungen Briten. Mal schauen, wie viele Jahre es dauern wird, bis sie reumütig zurückkommen werden. Ich würde sie jedenfalls jederzeit gerne wieder willkommen heißen. Der englische Humor à la Mr. Bean, Monty Python und Little Britain würde Europa nämlich auch fehlen, wenn Großbritannien gänzlich aus unseren Gedanken verschwinden würde.

Dr. Eckart von Hirschhausen: Wunderheiler

„Mein Name ist Hirschhausen. Ich bin Arzt. Ich möchte Sie gut behandeln…“ Und das tut er dann auch. Fast zwei Stunden lang sogar. Das Tolle daran: Es wirkt! Sogar erstaunlich gut. Das kann ich wirklich beurteilen. Denn da bin ich sozusagen Expertin. Oft und regelmäßig in meinem Leben bin ich Gast in den unterschiedlichsten Arztpraxen und Krankenhäusern gewesen; und werde es wohl auch weiterhin sein. Dabei würde ich mir gerne öfter mal einen Mediziner wie Dr. Eckart von Hirschhausen gefallen lassen. Denn meistens ist meine Laune nicht besonders gut, wenn ich einen Arzttermin habe. Hier sähe das anders aus. Denn bei diesem (be)zaubernden Komiker und Moderator gilt vor allem die Weisheit: Lachen ist die beste Medizin. Live gesehen habe ich ihn leider noch, obwohl ich in meiner ehemaligen hannoverschen Behausung lange Zeit ein Saisonplakat vom tak – meinem Lieblingstheater in Hannover-Linden – aufgehängt hatte, auf dem auch er vertreten war. Nun ja, was nicht ist, kann ja noch werden.

In seinem Programm Wunderheiler– das tituliert ist als sei bislang persönlichstes Programm – nimmt er seine Zuschauer und Zuhörer mit in seine Kindheit, seine Schulzeit, sein Studium und in seine Zeit als Arzt im Krankenhaus auf einer neurologischen Station für Kinder. Schon früh sei ihm aufgefallen, dass Menschen vor allem Zuwendung brauchen, um wieder gesund zu werden. Seine eigene Mutter hätte ihm beispielsweise immer das Lied „Heile, heile, Gänschen!“ vorgesungen, wenn er beim Spielen hingefallen sei. Welche Wirkung dies beispielsweise auch heute noch auf den Zuhörer haben kann, demonstriert er, indem er sich ans Klavier setzt und das Lied vorspielt. Weitere Lieder aus der Kindheit, die eine heilsame Wirkung haben können und spannendes medizinisches Fachwissen, publikumswirksam verpackt, kommen im Laufe des Programms zur Sprache. Auch mit einem Zaubertrick überrascht er sein Publikum und ganz besonders eine junge Dame, die prompt darin einbezogen wird.

Am Ende seines Programms, das mir als Hörbuch aus dem Hörverlag vorliegt, ist man versucht, es sich gleich noch einmal anzuhören. Besuchern des Auftritts mag es genauso ergangen sein. Man möchte noch mehr Geschichten aus von Hirschhausens Munde hören. Darum bin persönlich wirklich froh darüber, dass er von der Kinderstation auf die Bühne und letztlich auch ins Fernsehen gewechselt hat. Damit hat er kleinen und großen Zuschauern- und -hörern einen großen Gefallen getan.

Mikael Bergstrand: Der 50-jährige, der nach Indien fuhr und über den Sinn des Lebens stolperte

Göran Borg lebt in Malmö und ist von Beruf Werbetexter. Als er seinen 50. Geburtstag gerade hinter sich hat, beginnt seine Welt binnen kurzer Zeit ins Wanken zu geraten. Erst lässt sich seine Frau wegen eines jüngeren Mannes von ihm scheiden und dann wird er von seinem Arbeitgeber auch noch für zu alt erklärt und vor die Tür gesetzt. Für Göran ein Grund dazu, sich nur noch auf der heimischen Couch zu verkriechen und sich gehen zu lassen. Schließlich lädt ihn sein Freund Erik dazu ein, an einer Reise nach Indien teilzunehmen. Da er gerade ohnehin nichts Besseres vorhat, willigt er ein und findet sich schon bald auf einem der verrücktesten Trips seines Lebens wieder.

Nachdem er von seiner Reisegruppe getrennt wird, weil ihm das ungewohnte Essen Magen und Darm durcheinander gebracht hat und er ein paar Tage pausieren muss, trifft er auf den etwas verrückt daher kommenden Geschäftsmann Yogendra Singh Thakur, genannt Yogi, und kurze Zeit später auch auf dessen Mutter Amma. Beide bieten ihm an, bei ihnen für die weitere Dauer seines Aufenthalts zu wohnen. Während Amma sich vor allem um Görans leibliches Wohl kümmert, setzt Yogi alles daran, ihn als „Kulturjournalisten“ in der indischen Gesellschaft unterzubringen. Ein auf kuriose Weise zugeteilter Presseausweis und die von Yogi erdachte Aussicht auf ein Interview mit Shah Rukh Khan, einem der größten Filmstars des Landes, lassen Göran vor allem in der Gunst von Preeti Malhotra höher steigen. In deren Schönheitssalon sollte er eigentlich nur zur Maniküre gehen, doch kommt er frisch verliebt in die hübsche, junge, jedoch leider verheiratete Frau wieder heraus. Nun gilt es, mit Hilfe von Yogis Einfallsreichtum und etwas Glück für Göran, nicht nur Preeti von sich zu überzeugen, sondern auch den eigentlichen Sinn seiner Reise für sich zu entdecken.

Nein, Bergstrands 50-jähriger hat nichts mit Jonassons 100-jährigem zu tun. Teilen tun sie sich nur den Hang zur ellenlagen Überschrift und zu dieser Tatsache: Beide Autoren sind Schweden und beide können sich wunderbar skurrile Geschichten ausdenken, die mit ihrer Situationskomik jeden Leser zum Lachen bringen. Ich habe bei der Lektüre von Der 50-Jährige, der nach Indien fuhr und über den Sinn des Lebens stolperte wirklich Tränen gelacht und kann jedem Leser diese verrückte Reise eines Mannes zu sich selbst wirklich nur ans Herz legen. Das Buch ist bei btb erschienen und für den erschwinglichen Preis von 9,99 Euro zu haben. Für Lesefaule gibt es das Ganze übrigens auch als Hörbuch vom Audio Media Verlag.

Leseprobe

Doktor Stratmann: Pathologisch

„Im deutschen Fernsehen hat jede Krimiserie mittlerweile ihren eigenen Pathologen, der nicht selten mitermittelt.“ so die Festsellung von Doktor (Ludger) Stratmann in seinem definitiv letzten Bühnenprogramm Pathologisch, das nun als Hörbuch bei tacheles!/ Roof Music erschienen ist. Doktor Stratmann blickt in diesem, seinem letzten Programm, auf sein Leben zurück, und zwar, nachdem er auf offener Straße von einem Bierfass-Transporter erfasst wurde und gestorben ist. Auch, wenn er sein plötzliches Ableben noch gar nicht fassen kann, arrangiert er sich mit der Situation und zieht über seine Schul- und Ausbildungszeit Bilanz. Er erinnert sich daran, wie er und seine Frau Inge sich in seiner Stammdiscothek beim Bluestanzen zum ersten Mal begegnet und näher gekommen sind. Auch in Bezug auf Freunde und Weggefährten lässt er noch einmal seine Gedanken Revue passieren. Er denkt zum Beispiel an seinen Freund Heini Schmalzig, der sich gerade erst kürzlich das „Himmelreich auf Erden“ zugelegt hat. Letztlich wirft er noch einen Blick auf die Zukunft dieser Welt, die nun ohne ihn weiter existieren wird. Das alles natürlich mit dem ihm eigenen, unvergleichlichen Ruhrpott-Humor und der dazu passenden Sprache. Typisch Doktor Stratmann eben. Hier ein kleines Beispiel aus einem früheren Programm:


Ludger Stratmanns eigene Sendung im WDR Fernsehen
Auch, wenn ich mit meinen Eltern nicht unbedingt jede Vorliebe für gewisse Sendungen im Fernsehen teile, das „Stratmanns“, einmal im Monat Samstagabends im WDR, hatte es uns allen angetan. Ludger Stratmann fungierte seit 2001 nicht nur als Namensgeber für die aus Kabarett-Auftritten bekannter Künstler und Kneipen-Sitcom zusammengesetzte Sendung, sondern mimte darin auch 15 Jahre lang den Wirt Josef „Jupp“ Kwiatkowski, der allmonatlich durchs Programm führte. Am 7. Mai 2016 lief nun die letzte „Stratmanns“-Sendung im WDR Fernsehen und passend dazu hat sich nun auch Doktor Stratmann (Mediziner war er vor der Bühnentätigkeit übrigens wirklich) mit dem vorab angesprochenen Bühnenprogramm aus seinem aktiven Schauspielerdasein verabschiedet. Uns wird er fehlen, denn wir mochten seine wunderbare Art, Menschen für das Kabarett und auch für den Ruhrpott zu begeistern.