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Mikael Bergstrand: Der 50-jährige, der den Hintern nicht hochbekam, bis ihm ein Tiger auf die Sprünge half

Göran Borg ist zurück und nimmt den Leser bzw. Hörer erneut mit auf eine abenteuerliche Reise…

Nachdem der Werbetexter und Indienreisende in seiner Heimatstadt Malmö in Schweden eine neue Anstellung gefunden hat, scheint es so, als könne sich der geschiedene Vater einer Tochter mit seinem neuen Dasein in der Heimat anfreunden. Doch schon bald beginnt er wieder zu grübeln und bekommt Sehnsucht nach dem Land, in dem er nicht zuletzt aufgrund seines Freundes Yogi sehr glücklich war. Von diesem hatte er gerade erst eine Einladung zu dessen Hochzeit in Delhi bekommen.

Seine Tochter Linda gibt ihm den Rat, eine Psychotherapie zu machen. Just, als damit begonnen hat, lernt er bei einem Junggesellenabend in seiner Stammkneipe den etwa gleichalterigen Sven Grip kennen, der genau wie er ein riesiger Fußballfan und dem einen oder anderen Schlückchen Alkohol nicht abgeneigt ist. Borg ist begeistert über die vielen Gemeinsamkeiten, die er mit dem einfühlsamen und fürsorglichen Zahnarzt hat, bis dieser ihn zur Verkostung seiner neusten Whisky-Errungenschaft in seine Wohnung einlädt. Dort wird ihm nach Begutachtung einiger DVDs und Zeitschriften des neuen Freundes klar, dass dieser mehr von ihm möchte, als bloße Freundschaft. Der schockierte 50-jährige macht sich schnellstens aus dem Staub und hat nun einen wirklich guten Grund dafür gefunden, wieder nach Indien zurück zu kehren.

Dort angekommen trifft er auf einen deprimierten Yogi, der so lange nicht heiraten darf, bis er seiner Frau Lakshmi eine gute Zukunft bieten kann. Wie Göran ihm dabei erneut aus der Misere hilft, welche Rolle eine Teeplantage dabei spielt und wie ein Tiger schließlich allen Mitwirkenden den richtigen Weg suggeriert, ist nachzulesen oder zu hören in Der 50-Jährige, der den Hintern nicht hochbekam,bis ihm ein Tiger auf die Sprünge half aus dem btb-Verlag beziehungsweise Audio Media Verlag. Auch die Antwort auf die Frage, ob der Titelheld letztlich in Indien bleibt oder ob es ihn doch wieder nach Schweden zurückzieht, wird dem Leser auf amüsante Weise beantwortet. Eine wirklich gelungene Fortsetzung des ersten Romans rund um Göran Borg.

Serdar Somuncu: Der Adolf in mir

Es gibt viele Satiriker, Schauspieler und Musiker in diesem Land. Aber nur wenige, die alles zusammen sind. Noch weniger von ihnen haben einen Migrationshintergrund und die Eigenschaft, bei all ihren Zuschauern einen wahrlich bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Serdar Somuncu schafft das alles problemlos. Bundesweit bekannt geworden ist er mit einer hierzulande mehr als gewagten Form der Satire. Einer Lesung aus Adolf Hitlers „Mein Kampf“. Mit dieser Lesung war er mehrere Jahre auf Tournee quer durch Deutschland und hat sowohl Lob als auch Hass auf seine Person damit eingefahren.

Im Buch und natürlich auch in dem von ihm gelesenen und ebenfalls bei WortArt erschienenen Hörbuch Der Adolf in mir schaut er zurück auf seinen Werdegang und die besagte Tournee mit dem in Deutschland übrigens seit Beginn dieses Jahres wieder frei erhältlichen Werk Adolf Hitlers, das von Historikern nicht ohne Grund mit geschichtlich relevanten Kommentaren versehen wurde. Mit seiner Lesung wagte sich Somuncu an einen Text, mit dem er bewusst provozieren wollte. Eine Eigenart, die er auch bei seinen Fernsehauftritten bei „Extra 3“ oder der „heute show“ immer wieder gerne einsetzt, um die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu ziehen. Dass aber auch ein kluger, redegewandter Kopf hinter aller Provokation steckt, sieht man immer wieder, wenn man ihn in Sendungen, wie „Hart, aber fair“ auftreten sieht. Auch in seiner seit Januar 2016 bei ntv ausgestrahlten eigenen Talkshow „So! Muncu“ (einmal monatlich freitags um 22.15 Uhr) nähert er sich gerne mit seinen Gästen in einer pointierten Debatte auf die etwas andere Art aktuellen Themen (mit oder ohne Migrationshintergrund).

An seinem Buch gefällt mir nicht nur die gewohnt unkonventionelle Weise, mit der er auf die Erlebnisse und Geschehnisse seiner Tour zurückblickt, sondern auch die Möglichkeit, einmal den Menschen Serdar Somuncu etwas besser kennen zu lernen. Dass ihm im Übrigen nicht nur das gesprochene und geschriebene, sondern auch das gesungene Wort sehr gut liegt, konnte ich kürzlich in der Sendung „Bauerfeind assestiert…“ auf 3Sat erfahren. Fans des gnadenlosen Satirikers Somuncu alias Hassias kommen bei einem Besuch seines neuen Bühnenprogramms „H2 Universe – Die Machtergreifung“ wieder voll auf ihre Kosten.

Florian Schroeder: Entscheidet Euch!

„Nur, wer alle Optionen kennt kann die richtige Entscheidung treffen.“ Diesen Werbespruch einer Werbeagentur aus Florian Schroeders Nachbarschaft habe ich beherzigt mir sein 5. Bühnenprogramm Entscheidet euch! angehört sowie bei 3Sat angesehen und damit eindeutig die richtige Entscheidung getroffen. Schließlich gibt es eine Menge Imitatoren, Comedians und Kabarettisten in diesem Land, aber nur einen Florian Schroeder.

Den höre und sehe ich mir schon seit seinem ersten TV-Auftritt 1993 in Harald Schmidts „Schmidteinander“ immer wieder gerne an. Seitdem ist viel Zeit vergangen.Er geht mittlerweile stramm auf seinen 37., ich auf meinen 41. Geburtstag zu. Aber der Riecher für gute Satire, der ist sowohl mir, als auch ihm geblieben. So spricht er in seinem neuen Programm nicht nur den Möglichkeitenwahnsinn unserer Zeit an (Schampoo, Technik, Partnerwahl), sondern lässt so ganz nebenbei immer wieder Zeitkritik („Ich kaufe grundsätzlich offline, weil ich auch in 20 Jahren in Innenstädten noch Fußgängerzonen mit Geschäften haben möchte.) und kleine Seitenhiebe auf unsere Politiker mit einfließen. Sein großartiges Imitatorentalent ruft nicht nur in Bezug auf unsere Bundeskanzlerin immer wieder wahre Lachsalven beim Publikum hervor.

Ich kann nur jedem, der ein Theater oder eine Kabarettbühne bei sich vor Ort hat, raten, darauf zu achten, ob Florian Schroeder dort gastiert. Denn ein Besuch bei einem seiner Liveauftritte lohnt sich genauso, wie das vorliegende Programm in der Hörbuchversion.

Galileo präsentiert „Die spinnen, die Engländer“

„Das Handbuch zur kuriosesten aller Ausssteigernationen“  könnte man das von der Galileo-Redaktion zusammengestellte Taschenbuch über die Engländer auch nennen. Jenes Volk, das für seine geliebte Monarchin Elisabeth II, seinen Linksverkehr auf den Straßen, seinen Fünf-Uhr-Tee in der Tasse und dem regenreichsten Wetter des gesamten europäischen Kontinents berühmt ist… und vielleicht auch bald für  seinen unumkehrbaren Wunsch nach Eigenständigkeit, der es letzlich in ein paar Jahren wird verarmen lassen. Das wäre alles andere als lustig, sondern eine Tragödie! Darum, liebe Engländer (und auch alle Waliser,  Nordiren und Schotten) , bitte bleibt uns in der EU erhalten. Ich habe vor ein paar Jahren als Englisch-Deutsch Übersetzerin nicht ohne Grund diesen Werbeschriftzug inne gehabt: British_is_beautifulOkay, mein Übersetzerbüro ist mittlerweile geschlossen. Das heißt aber nicht, dass die Briten jetzt auch einfach so gehen sollen. Warum sie ganz klar zu Europa dazu gehören und trotzdem ihren ganz eigenen Kopf haben (und auch weiter haben sollen) ist in dem kleinen England-Handbuch Die spinnen, die Engländer wunderbar und auch mit viel Sinn für den weltbekannten britischen Humor erklärt. Jedem Fan dieser herrlich exzentrischen Fußballnation(en) sei dieses Werk über die Engländer darum nicht nur in Zeiten eines (bitte un-)möglichen Brexit wärmstens ans Herz gelegt.

PS: Nun ist er da, der Brexit. Leider 😐 Und schon regt sich Widerstand gegen die Entscheidung, vor allem bei den jungen Briten. Mal schauen, wie viele Jahre es dauern wird, bis sie reumütig zurückkommen werden. Ich würde sie jedenfalls jederzeit gerne wieder willkommen heißen. Der englische Humor à la Mr. Bean, Monty Python und Little Britain würde Europa nämlich auch fehlen, wenn Großbritannien gänzlich aus unseren Gedanken verschwinden würde.

Dr. Eckart von Hirschhausen: Wunderheiler

„Mein Name ist Hirschhausen. Ich bin Arzt. Ich möchte Sie gut behandeln…“ Und das tut er dann auch. Fast zwei Stunden lang sogar. Das Tolle daran: Es wirkt! Sogar erstaunlich gut. Das kann ich wirklich beurteilen. Denn da bin ich sozusagen Expertin. Oft und regelmäßig in meinem Leben bin ich Gast in den unterschiedlichsten Arztpraxen und Krankenhäusern gewesen; und werde es wohl auch weiterhin sein. Dabei würde ich mir gerne öfter mal einen Mediziner wie Dr. Eckart von Hirschhausen gefallen lassen. Denn meistens ist meine Laune nicht besonders gut, wenn ich einen Arzttermin habe. Hier sähe das anders aus. Denn bei diesem (be)zaubernden Komiker und Moderator gilt vor allem die Weisheit: Lachen ist die beste Medizin. Live gesehen habe ich ihn leider noch, obwohl ich in meiner ehemaligen hannoverschen Behausung lange Zeit ein Saisonplakat vom tak – meinem Lieblingstheater in Hannover-Linden – aufgehängt hatte, auf dem auch er vertreten war. Nun ja, was nicht ist, kann ja noch werden.

In seinem Programm Wunderheiler– das tituliert ist als sei bislang persönlichstes Programm – nimmt er seine Zuschauer und Zuhörer mit in seine Kindheit, seine Schulzeit, sein Studium und in seine Zeit als Arzt im Krankenhaus auf einer neurologischen Station für Kinder. Schon früh sei ihm aufgefallen, dass Menschen vor allem Zuwendung brauchen, um wieder gesund zu werden. Seine eigene Mutter hätte ihm beispielsweise immer das Lied „Heile, heile, Gänschen!“ vorgesungen, wenn er beim Spielen hingefallen sei. Welche Wirkung dies beispielsweise auch heute noch auf den Zuhörer haben kann, demonstriert er, indem er sich ans Klavier setzt und das Lied vorspielt. Weitere Lieder aus der Kindheit, die eine heilsame Wirkung haben können und spannendes medizinisches Fachwissen, publikumswirksam verpackt, kommen im Laufe des Programms zur Sprache. Auch mit einem Zaubertrick überrascht er sein Publikum und ganz besonders eine junge Dame, die prompt darin einbezogen wird.

Am Ende seines Programms, das mir als Hörbuch aus dem Hörverlag vorliegt, ist man versucht, es sich gleich noch einmal anzuhören. Besuchern des Auftritts mag es genauso ergangen sein. Man möchte noch mehr Geschichten aus von Hirschhausens Munde hören. Darum bin persönlich wirklich froh darüber, dass er von der Kinderstation auf die Bühne und letztlich auch ins Fernsehen gewechselt hat. Damit hat er kleinen und großen Zuschauern- und -hörern einen großen Gefallen getan.

Mikael Bergstrand: Der 50-jährige, der nach Indien fuhr und über den Sinn des Lebens stolperte

Göran Borg lebt in Malmö und ist von Beruf Werbetexter. Als er seinen 50. Geburtstag gerade hinter sich hat, beginnt seine Welt binnen kurzer Zeit ins Wanken zu geraten. Erst lässt sich seine Frau wegen eines jüngeren Mannes von ihm scheiden und dann wird er von seinem Arbeitgeber auch noch für zu alt erklärt und vor die Tür gesetzt. Für Göran ein Grund dazu, sich nur noch auf der heimischen Couch zu verkriechen und sich gehen zu lassen. Schließlich lädt ihn sein Freund Erik dazu ein, an einer Reise nach Indien teilzunehmen. Da er gerade ohnehin nichts Besseres vorhat, willigt er ein und findet sich schon bald auf einem der verrücktesten Trips seines Lebens wieder.

Nachdem er von seiner Reisegruppe getrennt wird, weil ihm das ungewohnte Essen Magen und Darm durcheinander gebracht hat und er ein paar Tage pausieren muss, trifft er auf den etwas verrückt daher kommenden Geschäftsmann Yogendra Singh Thakur, genannt Yogi, und kurze Zeit später auch auf dessen Mutter Amma. Beide bieten ihm an, bei ihnen für die weitere Dauer seines Aufenthalts zu wohnen. Während Amma sich vor allem um Görans leibliches Wohl kümmert, setzt Yogi alles daran, ihn als „Kulturjournalisten“ in der indischen Gesellschaft unterzubringen. Ein auf kuriose Weise zugeteilter Presseausweis und die von Yogi erdachte Aussicht auf ein Interview mit Shah Rukh Khan, einem der größten Filmstars des Landes, lassen Göran vor allem in der Gunst von Preeti Malhotra höher steigen. In deren Schönheitssalon sollte er eigentlich nur zur Maniküre gehen, doch kommt er frisch verliebt in die hübsche, junge, jedoch leider verheiratete Frau wieder heraus. Nun gilt es, mit Hilfe von Yogis Einfallsreichtum und etwas Glück für Göran, nicht nur Preeti von sich zu überzeugen, sondern auch den eigentlichen Sinn seiner Reise für sich zu entdecken.

Nein, Bergstrands 50-jähriger hat nichts mit Jonassons 100-jährigem zu tun. Teilen tun sie sich nur den Hang zur ellenlagen Überschrift und zu dieser Tatsache: Beide Autoren sind Schweden und beide können sich wunderbar skurrile Geschichten ausdenken, die mit ihrer Situationskomik jeden Leser zum Lachen bringen. Ich habe bei der Lektüre von Der 50-Jährige, der nach Indien fuhr und über den Sinn des Lebens stolperte wirklich Tränen gelacht und kann jedem Leser diese verrückte Reise eines Mannes zu sich selbst wirklich nur ans Herz legen. Das Buch ist bei btb erschienen und für den erschwinglichen Preis von 9,99 Euro zu haben. Für Lesefaule gibt es das Ganze übrigens auch als Hörbuch vom Audio Media Verlag.

Leseprobe

Doktor Stratmann: Pathologisch

„Im deutschen Fernsehen hat jede Krimiserie mittlerweile ihren eigenen Pathologen, der nicht selten mitermittelt.“ so die Festsellung von Doktor (Ludger) Stratmann in seinem definitiv letzten Bühnenprogramm Pathologisch, das nun als Hörbuch bei tacheles!/ Roof Music erschienen ist. Doktor Stratmann blickt in diesem, seinem letzten Programm, auf sein Leben zurück, und zwar, nachdem er auf offener Straße von einem Bierfass-Transporter erfasst wurde und gestorben ist. Auch, wenn er sein plötzliches Ableben noch gar nicht fassen kann, arrangiert er sich mit der Situation und zieht über seine Schul- und Ausbildungszeit Bilanz. Er erinnert sich daran, wie er und seine Frau Inge sich in seiner Stammdiscothek beim Bluestanzen zum ersten Mal begegnet und näher gekommen sind. Auch in Bezug auf Freunde und Weggefährten lässt er noch einmal seine Gedanken Revue passieren. Er denkt zum Beispiel an seinen Freund Heini Schmalzig, der sich gerade erst kürzlich das „Himmelreich auf Erden“ zugelegt hat. Letztlich wirft er noch einen Blick auf die Zukunft dieser Welt, die nun ohne ihn weiter existieren wird. Das alles natürlich mit dem ihm eigenen, unvergleichlichen Ruhrpott-Humor und der dazu passenden Sprache. Typisch Doktor Stratmann eben. Hier ein kleines Beispiel aus einem früheren Programm:


Ludger Stratmanns eigene Sendung im WDR Fernsehen
Auch, wenn ich mit meinen Eltern nicht unbedingt jede Vorliebe für gewisse Sendungen im Fernsehen teile, das „Stratmanns“, einmal im Monat Samstagabends im WDR, hatte es uns allen angetan. Ludger Stratmann fungierte seit 2001 nicht nur als Namensgeber für die aus Kabarett-Auftritten bekannter Künstler und Kneipen-Sitcom zusammengesetzte Sendung, sondern mimte darin auch 15 Jahre lang den Wirt Josef „Jupp“ Kwiatkowski, der allmonatlich durchs Programm führte. Am 7. Mai 2016 lief nun die letzte „Stratmanns“-Sendung im WDR Fernsehen und passend dazu hat sich nun auch Doktor Stratmann (Mediziner war er vor der Bühnentätigkeit übrigens wirklich) mit dem vorab angesprochenen Bühnenprogramm aus seinem aktiven Schauspielerdasein verabschiedet. Uns wird er fehlen, denn wir mochten seine wunderbare Art, Menschen für das Kabarett und auch für den Ruhrpott zu begeistern.

Deutschland einig „Schnauze!“-Land – Witzel gegen Daniel und Kleindienst

Vor 27 Jahren geschah ein Wunder in Deutschland: Am 09. November 1989 fiel die Mauer in Berlin und Menschen aus der BRD und der DDR lagen sich in den Armen. Ich war damals 14 Jahre alt und staunte ein paar Tage später beim Blick aus unserem Küchenfenster auf eine der Hauptstraßen unseres kleinen Ortes in der Nähe von Hannover nicht schlecht über die vielen bonbonfarbenen Autos auf dem Parkstreifen gegenüber. Die Ossis kamen die Wessis zum ersten Mal ungehindert besuchen. Damals fragte ich mich nachdenklich, wie lange es wohl dauern würde, bis aus Ost- und Westdeutschland wieder EIN Land geworden ist. Heute im Jahre 2016 kann ich darauf antworten: Es wird noch lange dauern! Die Menschen in beiden Teilen Deutschlands sind nach wie vor noch immer sehr verschieden. Genau das führt mittlerweile auch häufig zu Kritik aneinander.

Schön, wenn man dann diese satirisch aufbereiten kann. Auf die Idee kam 2009 der in Leipzig geborene Stern.de-Redakteur Holger Witzel, dessen Kolumne „Schnauze Wessi: Pöbeleien aus einem besetzten Land“ schon bald zur meistgeklickten und meistdiskutierten Rubrik der ganzen Website wurde. Witzel übt in seinen satirischen Texten reichlich Kritik an den „Besser-Wessis“ und ihrer Besetzerkultur im Osten. Ende 2013 ist bei Goldmann ein gleichnamiges Buch mit den 30 besten Kolumnen aus Witzels Feder erschienen. Dies hatte natürlich wie die Texte auf der Website das Zeug zum Kassenschlager. Mit den Büchern „Gib Wessis eine Chance“ (Gütersloher Verlagshaus, 2013) und „Heul doch, Wessi“ (Eulenspiegel Verlag, 2014) legte Witzel bereits zweimal nach.

2015 haben sich daraufhin mit Mark Daniel und Jürgen Kleinschmidt zwei aus Westdeutschland stammende Redakteure der Leipziger Volkszeitung zusammengetan und in ihrem beim Gütersloher Verlagshaus erschienenen Buch „Schnauze Ossi!: Zwei Wessis pöbeln zurück“ die nicht minder satirischen Antworten auf Witzels Provokationen formuliert. Mit 21 Kolumnen und einem Ossi-Verständnis-Test für Wessis setzen sie sich erfolgreich zur Wehr gegen die „Soli-Beitrags-Kassierer“, die mittlerweile heimlich das ganze Land für sich eingenommen haben und sowohl das Kanzleramt, als auch den Platz des Bundespräsidenten besetzen.

Deutsch-deutsche Satire, die man gelesen haben sollte, egal, aus welchem Landesteil man stammt.

Dietmar Wischmeyer: Den Klaren sieht die Leber nicht

Es war im Jahre 1989, als ich das erste Mal im Radio auf die satirischen Erläuterungen des kleinen Tierfreunds zur heimischen Tierwelt stieß. Was ich damals als knapp 14-jährige noch nicht wusste: Der Mann hinter der Stimme des kleinen Tierfreunds würde mich auch 27 Jahre später noch zum Lachen bringen. Der kleine Tierfreund war nämlich die erste Radiocomedyfigur, die Dietmar Wischmeyer für den damals noch jungen niedersächsischen Radiosender ffn kreiert hat.

Kurze Zeit später wurde ich zum Fan der sonntäglichen Radiosendung „Das Frühstyxradio“, für das sich Wischmeyer gemeinsam mit einigen anderen Kollegen Comedyfiguren, wie Frieda und Anneliese, Bruns und Brochterbeck, Willi Deutschmann oder auch Günther, den Treckerfahrer ausgedacht hat. Zwei dieser anderen Kollegen sind heute bundesweit bekannte Komiker, wovon der eine Wischmeyer als Kollegen in seine Nachrichtencomedy im ZDF geholt hat. Die Rede ist von Oliver Welke, seines Zeichens Anchorman der heute show. Wischmeyer darf sich hier in verschiedenen Rollen ausleben und zum Beispiel als Günther, der Treckerfahrer, Niedersachsen erklären:

Der andere war lange Zeit auf Pro Sieben, heute auf Tele 5 als satierischer Fernsehkritiker unterwegs und tritt bis heute gemeinsam mit Wischmeyer als die Thekenphilosophen Kurt und Gürgen, besser bekannt als Die Arschkrampen auf: Oliver Kalkofe. Angefangen haben jedoch beide Olivers bei dem damals noch kleinen, in einem Bauernhaus in Isernhagen bei Hannover ansässigen Radiosender ffn unter der Redaktionsleitung Wischmeyers.

Obwohl es das Frühstyxradio heute in der ursprünglichen Form nicht mehr gibt, ist Wischmeyer mit einigen seiner Figuren dem Sender treu geblieben und hat hier beispielsweise in Gestalt von Günther, dem Treckerfahrer, seine tägliche Radiokolumne. Da er seine Ideen jedoch auch gerne zu Papier bringt entstehen immer wieder herrlich komische Bücher, die man sich als Fan des ideenreichen Niedersachsen immer wieder gerne zu Gemüte führt. So auch das neuste Werk aus seiner Feder mit dem schönen Titel Den Klaren sieht die Leber nicht: Männerleben auf dem Lande, erschienen im Oldenburger Lappan Verlag.

Hier erfährt der wissbegierige Leser von Günther, dem Treckerfahrer höchstpersönlich, warum sich der Städter nach dem Landleben sehnt und der einfache Dörfler das Landleben einem Dasein in der Stadt auf jeden Fall vorzieht. Ländliches Brauchtum wird wie auch die typischen Tätigkeiten im Dorfe in allen Facetten erklärt und nicht nur dem Manne schmackhaft gemacht. Das alles natürlich in niedersächsischer bäuerlicher Mundart, bei der kein Blatt vor den Mund genommen wird. Für Fans des Frühstyxradios sind die Bücher Wischmeyers ohnehin ein Muss, aber auch als unbedarfter Satirefan ist man mit diesem Buch über die Vorzüge des Lebens auf dem platten Lande wirklich gut bedient.

Horst Evers: Der kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex

In Berlin lebt der wohl charmanteste Geschichtenerzähler unter den Kabarettisten. Horst Evers war wieder unterwegs und hat sein Publikum mit seinen Alltagsbeobachtungen von der Fahrscheinkontrolle über den Wolf bis hin zum unvermeidbaren Berliner Flughafen grandios unterhalten. Für Fans des gebürtigen Niedersachsen und solche, die es noch werden wollen, ist bei WortArt sein aktuelles Programm mit dem vielsagenden Titel Der kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex erschienen. Den subtilen Humor des stets im roten Hemd auftretenden Evers kann man nur wage beschreiben. Man muss ihn erlebt haben. Hier ein kleiner Ausschnitt aus einem seiner früheren Programme, eine Geschichte mit dem Titel „Monika“:

Neben seiner Tätigkeit als Kabarettist ist Evers in den letzten drei Jahren auch als Autor in Erscheinung getreten, wobei der Humor auch in seinen beiden bisher erschienenen Büchern nicht zu kurz kommt. Nach dem herrlich absurden Kriminalroman Der König von Berlin ist das Buch Alles außer irdisch noch eine Spur skuriler und fantastischer (im wahrsten Sinne des Wortes) geworden. Es handelt von einer ganz außergewöhnlichen außerirdischen Spezies, die im Grunde genommen schon mitten unter uns lebt, von der wir bisher aber noch keine Notiz genommen haben. Beide Bücher sollte man auf jeden Fall in seinem Bücherregal haben, wenn man Spaß an absurden Geschichten hat.